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 "stumm" bei den Russen


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Wir werden oft "Stumme" genannt. Auch beruehmte Personen in der Vergangenheit werden so genannt als "der Stumme", wie "El Mudo" fuer einen tauben Renaissance Maler Juan Navarrette (auch bekannt als der "Spanische Tizian") in Spanien und "de Stomme" fuer die zwei hollaendischen Maler im fruehen 18. Jahrhundert. Oft bedeutet "der Stumme" oder "Stuemmerl" auch "der Dumme".

Etwas interessantes begegnete ich. Die Russen nennen Deutsche auch "stumm" mit dem Ausdruck "nemoj". Daraus kommt das Schimpfwort "nemec" (= die Stummen) generell fuer die Deutschen.

Also das daemliche Wort "stumm" wird von den Russen auch fuer Hoerende, die eine unverstaendliche Sprache reden, verwendet. Dies ist ein Beispiel, wie das Wort "stumm" vorurteilshaft gebraucht wird.


Hartmut



Moderator & Einstein & "Tante Emma"´09
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Genauso ist es auch mit dem Wort "doof".


Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.



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Ronco,
mit was meinst du "genauso" fuer das Wort 'doof'?

Wenn du das hollaendische Wort fuer "taub" meinst, bedeutet 'doof' in Holland nicht "dumm" wie das gleiche Wort in Deutschland bedeutet.


Hartmut



Moderator & Einstein & "Tante Emma"´09
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Nein, das stimmt, aber wenn es in Deutschland gesprochen wird. Wenn hier bei uns als "doof" tituliert wird, so ist das gleichbedeutend mit dumm oder blöd. Außerdem wird es im Plattdeutschen ähnlich ausgesprochen.


Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
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Zuletzt geändert von Ronco am 18.06.2009, 17:23:21, insgesamt 1-mal geändert.

Spitzenmitglied
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http://www.sprachforschung.org/ickler/i ... d=577#7536

Andere Länder haben nunmal andere Gedanken, andere Vorstellungen, andere
Wortschatz. Sprache sind in verschiedene Länder nunmal verschieden, wir
Gehörlosen in Deutschland können das Wort "Gehörlos" nicht auf die ganzen
Welt festmachen. Das Sprache ist, man will sie Ausdrücken können, sie
verstanden werden. Unabhängig ob das Wort in negativen oder positiven
Sinne ist.

Nicht zu vergessen sind, auch wir damals in Deutschland hatten mal
Taubstummverein oder so ähnlich, war damals für uns alle völlig normal gewesen.



Spitzenmitglied



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Ronco,
bitte fuehr weiter aus, was du genau mit "genauso" und "das stimmt" sagen wolltest. Sie sind fuer mich noch zu vage. Worauf bezieht "das"? (oder anders gefragt "was stimmt?")

Das deutsche "doof" bedeutet nicht 'taub' und "tituliert" keine taube Person, weil sie nicht hoeren kann. Hoerende werden auch als "doof" bezeichnet, wenn sie etwas Dummes angestellt haben. Zweitens, 'doof' wird nicht synonymisch an Stelle von 'taub' gebraucht.

Plattdeutsch ist dem Hollaendischen aehnlicher als Hochdeutsch. Der Autor des Buches "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" (oder aehnliches) schreibt einmal von dem Plattdeutschen 'dov Elbe' in Hamburg, was auf "trockene Elbe" deutet. 'dov' bedeutet auch "taub" in der Sprache. Dort ist nicht angegeben, ob 'dov' auch "dumm" bedeutet. Das benachbarte Daenisch hat das gleiche Wort fuer 'taub' und es wird nicht gleichbedeutend fur "dumm" benutzt.

Mein etymologisches Woerterbuch zeigt, 'doof' kam ins hochdeutsche Vokabular aus dem Berlinischen Dialekt, nicht aus Holland eingefuehrt. Also in Deutschland wird das norddeutsche 'doof', nicht das Hollaendische, benutzt.

Der Punkt hinter dem russischen 'nemoj' und 'nemec' zielt auf "stumm" hin, nicht auf "taub" und wie das Wort in der Sprache gebraucht wird. Das ist nicht gleich was mit 'doof' in Deutschland geschieht.


Hartmut



Moderator & Einstein & "Tante Emma"´09
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Der Ursprung des Wortes "doof"
(Auszug aus dem DUDEN Etymologie Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache 2. Auflage von Günther Drosdowski, Band 7, Seite 133)

"doof (ugs. für:) "dumm, einfältig, beschränkt": Das Wort ist eigentlich die niederdeutsche Entsprechung von hochdeutsch taub (beachte mnd. dof "taub", dove "Tauber, Einfältiger"). Der Taube gilt wegen seiner mangelnden Verständigungsmöglichkeit oft als dumm. Das Wort ging seit etwa 1900 von Berlin aus in die allgemeine Umgangssprache über."


Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
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Spitzenmitglied



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@Ronco,
der Gebrauch des Wortes 'doof' scheint heute nicht mehr auf "nicht hoeren koennen" zu betreffen. Frueher ja im Mitte-Niederdeutschen. Der Bedeutungszusammenhang scheint "verschwunden" geworden zu sein.

Im Hochdeutschen wird 'taub' nicht synonymisch mit "dumm" gleichgesetzt. Andere Bedeutungen von 'taub' sind "leer" wie in "taube Mine", "taube Nuss" und "unempfindlich" wie in "tauber Bein". Wuerde man zu einem Hoerenden, der Bloedes angestellt hat, sagen, "Du bist taub" statt "Du bist doof" oder "Du taube Nuss"? Wer wuerde sagen, "Ich habe ein doofes Kind" nur wenn er das Unvermoegen des Hoerens meint?

So ist die Erklaerung im DUDEN
Zitat:
Das Wort ist eigentlich die niederdeutsche Entsprechung von hochdeutsch taub (beachte mnd. dof "taub", dove "Tauber, Einfältiger").

teilweise ungenau. Es stimmt nur etymologisch, aber nicht bedeutungsweise mit dem jetztigen hochdeutschen 'taub' und 'doof'. Im DUDEN Synonym-Woerterbuch sind die beiden synonymisch einander nicht gekuppelt.


Hartmut




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