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Virtuelles Kommunikationsforum für Gebärdensprachnutzer
Aktuelle Zeit: 17.07.2018, 09:32:58





 ASL Poesie


Spitzenmitglied



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Was sind die wichtigsten Merkmale einer ASL-Poesie? Gibt es darin Unterschiede zu der dt. Gebärdenpoesie?
Für die deutsche Poesie gibt es auch wohl nocht keine offizielle Definition. Zumindest habe ich im Internet noch keine gefunden...


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Mitglied



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Calva: Vielleicht kannst du Jürgen Endress fragen. Möglicherweise kennt er amerikanische GL, der Poesie-Erfahrung hat.
Kannst du vielleicht Literatur von Gallaudet über Merkmale einer ASL-Posie anfragen?



Spitzenmitglied



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Auch keine offizielle Definition gibt es fuer ASL-Poesie.
Der Unterschied zwischen ASL- und DGS-Poesie besteht wohl nur in unterschiedlichen Vokabeln in diesen Sprachen, sonst nichts. Kaum formelle Unterschiede.

Oder denkst du an Themen, die die ASL-Poeten beschaeftigen, welche nicht bei den deutschen zu sehen sind?


Hartmut



Spitzenmitglied



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Sogar selbst Definition der Gebaerdensprachpoesie (un-
abhaenig von nationalen Gebaerdensprachen) allein ist
umstritten.



Spitzenmitglied



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@bengie und Hartmut: Danke, das habe ich mir schon gedacht...


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Ich habe nach einem Thread mit der Diskussion zwischen JUE und mir in diesem Cafe gesucht, wo wir ueber die allegemeinen Charakteristiken in einer Gebaerdenpoesie diskutiert haben. Ich habe dort eine Liste der Grundeigenschaften gepostet. Das Thread mit dieser Diskussion ist ganz verschwunden im Umbau des GL-Cafes.

Hoffentlich hast du, Calva, frueher diese Diskussion als Grundlage fuer deine Diplomarbeit schon kopiert. Oder kann dir ein Moderator helfen, die verschwundenen Threads wieder herauszufischen.


Hartmut



Apfelwein-Lady & GL-Kultur-Insider´09
Apfelwein-Lady & GL-Kultur-Insider´09
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@Hartmut

solltest du die Liste der Grundeigenschaften zwischen Ende März und Anfang Mai gepostet haben => liegt sicher im Ersatzforum www.glcafe.de , der nun auch geschlossen ist. (vor paar wochen konnte man noch reinschauen)


°°°°°°°



Spitzenmitglied



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@Hartmut, danke für die Tipps. Ich schreibe keine Diplomarbeit, bin längst mit dem Studium fertig. ;)
Habe wegen einer Unterrichtsstunde nach gefragt, das hat sich jetzt aber mittlerweile erledigt.

Für die Allgemeinheit wäre es aber trotzdem schön gewesen, einige Anhaltspunkte zu Gebärdenpoesie im Internet zu finden... :)


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erdbebchen,
nein, die Diskussion zwischen JUE und mir war schon im Jahre 2007 oder 2008.
Es sind andere Beitrage (ueber andere Themen) von mir, die ich auch nicht mehr im neuen GL-Cafe finden kann.

@Calva,
haetten wir eine Gebaerdenschrift im allgemeinen Gebrauch, dann bekaemen wir mehr Zugang zur GS-Poesie!

Solange wir keine haben, wird es immer schwierig, etwas darueber im Internet zu bekommen, als was man in YouTube finden kann. Oft sind solche Darstellungen meiner Ansicht nach nur "Entwurf" oder "im Vorstadium befindend", selten vollkommene Produkte. Es gibt in den USA CD's mit ASL-Gedichten von Valli Clayton, Patrick Graybill, Peter Cook und Ella Lentz. Keiner davon versucht eine "Definition" oder irgendwelche Gesetzmaessigkeiten inhaerent einer GS-Poesie hinueberzubringen.

Kannst du vielleicht hier berichten, was du in deinem Unterricht ueber das Thema bringen konntest. Haben deine Schuler, dann etwas poetisch gemacht?

In Boston, hat eine Gruppe heuer Mai eine explorative Veranstaltung von ASL-Poesie durchgefuehrt. Es war eine informelle Veranstaltung, in der wir ausprobierten, wie man GS-Poesie macht. Eine solche informelle experimentielle Veranstaltung hilft, in sich kreative Kraefte fuer eine kuenstlerische Gestaltung der Sprache erstens zu wecken und zweitens zu entwickeln. Du wirst bestimmt in Muenchen eine Gruppe fuer diesen Zweck bilden koennen.


Hartmut



Spitzenmitglied



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Oh, nach langer Zeit bin ich erst seit gestern wieder hier im GL-C@FE. Letztes Jahr
schrieb ich meine Examensarbeit über Gebärdensprachpoesie.

@Calva: Deine Erfahrungsberichte mit Gebärdensprachpoesie im Unterricht würde mich
auch sehr interessieren (z.B. welche Poesiestücke wurden vorgestellt? was haben die
SchülerInnen poetisch gemacht?).

@Hartmut: Diskussion zwischen JUE und dir? Langsam erinnere ich mich...meinst du
vielleicht die Diskussion welche Gebärden-Kunstformen zu Kategorie "Gebärden(sprach)
-poesie" gehören (z.B. ob ABC-Story ebenfalls eine Poesiestück ist)? Hoffentlich wurden
alte Themen nicht gelöscht, sondern ins Archiv verschoben. Vor langer Zeit (wahrschein-
lich im Jahr 2003 oder 2004) habe ich ein Thema aufgemacht, darin ging es um Formen
und Eigenschaften der Gebärden(sprach)poesie. Dort waren viele interessante Postings
von vielen, vielen Usern zu sehen, auch von Nicht-Gebärdenkünstler (z.B. als GS-Poesie-
Besucher). Weiß leider nicht mehr bis wann dieses Thema aktualisiert wurde (vielleicht
2005 oder 2006), aber solche alte Themen würde ich gerne wieder lesen (du bestimmt
auch, gell?).
Noch was, Clayton Valli (nicht Vor- mit Nachname verwechseln) schrieb seine Doktor-
arbeit über ASL Poesie. Weiß nicht mehr ob du schon seine Doktorarbeit gelesen hast,
wenn ja könntest du diese Arbeit an mich schicken (für meine Examensarbeit habe ich
Valli´s Arbeit nicht bekommen können)? Ansonsten ist seine (kurzgefasste?) (Doktor-)
Arbeit über ASL Poesie auch hier zu finden (Empfehlung auch an Calva u.a.):
http://www.dawnsign.com/support/aslpoetry.html

Hoffentlich könnt ihr lieben Mods uns Usern ermöglichen, alte superinteressante Themen
über Gebärden(sprach)poesie zu lesen.
Es wäre auch super, wenn alle Gebärdenkunststücke verfilmt werden, besonders die
Stücke die inzwischen nicht mehr auf der Bühne gezeigt werden (ja ich weiß es gibt
Gebärdenkünstler, die das Filmen von eigener schönen Kunststücke verbieten...aber
vielleicht machen sie sich nochmal die Gedanken, denn durch das Festhalten der Kunst-
stücke dank Videotechnologie können die Künstler unsterblich machen, oder?) Kurz: Wir
müssen unsere Literatur erweitern und pflegen!



Spitzenmitglied



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@Skull,
ja stimmt, im Thread wurde auch zwischen mir and JUE diskutiert, ob die ABC-Stories/Nummer-Stories Poesie sei oder nicht. Das ist leider verschwunden, oder gar im Archiv aufbewahrt. Toll waere es, wenn das Thread aus dem Archiv geholt und hier wieder eingestellt waere.

Mit Clayton Valli habe ich oft ueber verschiedene Themen geplaudert, Poesie und ASL Linguistik. Leider ist er frueh gestorben. Er ist sozusagen "Vater" der GS-Poesie. Vorher gab es verschiedene Versuche, kuenstlerisch mit ASL zu beschaeftigen und vorzufuehren, ohne je das Wort "poetry" zu erwaehnen. Das erlebte ich am Gallaudet in den 60er Jahren. Clayton hat leider nur die Schwaeche, unpassende Terminologien (= Fachausdruecke) fuer die poetischen Elemente und verschiedenen Genren (= Gattungen/Arten in Literatur) gewaehlt zu haben. Einige davon ist noch im van Skull angegebenen Link von Artikel im Dawn Sign Press zu sehen.

Ich habe nur VHS-Kassetten von Vallis und Ella Lentzes Poesie. Ich bin sicher, ihr koennt von Dawn Sign Press DVDs kaueflich erwerben.

Kuerzlich wurde ein einstuendiger Dokumentary-Film von NTID fertiggestellt, die von den Anfaengen der ASL Poetry mit sechs ASL-Poeten berichtet. Eine davon ist Rennie, die jetzt in Schweden wohnt und dort den Schweden das Tor zur Poesie in Schwedischer Gebaerdensprache geoeffnet hat. Also eine Pionierin! JUE hat seine Kunst von ihr gelernt. Ich werde mal herausfinden, wie man dieses DVD kaeuflich erwerben kann.

Auch gibt es in der Schweiz ein Dokumentar-Film ueber Ralf Lanicca, der in Berlin einen Preis in GS-Poesie gewonnen hat. Titel: "Verbotene Sprache".


Hartmut



Spitzenmitglied



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Hier eine Examensarbeit-Schlussbetrachtung-Kurzfassung:

Es ist keine Frage bzw. es muss nicht diskutiert werden, ob Gebärdensprachpoesie ein Schul- bzw. Unterrichtsthema für tauben Schüler ist.
Vielmehr soll gefragt werden, warum Gebärdensprachpoesie an Schulen für tauben Menschen (und auch anderen Schulen mit integrativen Klassen für hörgeschädigte Schüler) angeboten werden soll.
Die Gebärdensprachpoesie als Kunstform ist inzwischen ein fester Bestandteil der Gebärdensprachkultur geworden und tauben Schüler haben ein Recht darauf und das Bedürfnis, die Gebärdensprachkultur, ihre „Heimatkultur“, kennen zu lernen. Da die meisten Schüler aber hörende Eltern haben und ihre „Heimatkultur“ nicht im Elternhaus bzw. in der Verwandtschaft existiert, sollte die Schule die Schüler darin unterstützen, ihren Weg zu ihrer „Heimatkultur“ zu finden. Dies ist vor allem dann gewährleistet, wenn die Schüler umfassend zum Thema Gebärdensprachkultur unterrichtet werden.
Dazu sollten auch alle Kunstformen vorgestellt werden, die in der Gebärdensprachkultur vorkommen, also auch die Gebärdensprachpoesie.

Wie Gebärdensprachpoesie im Unterricht bzw. in der Schule eingesetzt werden kann, hängt von materiellen und immateriellen Ressourcen ab, die der Schule bzw. dem Lehrer zur Verfügung stehen. Neben der Gebärdensprachkompetenz sollte der Lehrer ein gutes Sprachgefühl haben und eventuell auch eine gute Nachahmungsfähigkeit besitzen, falls er selbst ein Poesiestück zeigen möchte.
Um sich mit Gebärdensprachpoesie und deren Struktur intensiv auseinandersetzen zu können, sind Grundkenntnisse der Gebärdensprachlinguistik und Literaturwissenschaft Voraussetzung. Falls der Lehrer solche immateriellen Ressourcen nicht zur Verfügung stellen kann, gibt es trotzdem Möglichkeiten, den Schülern einen Zugang zur Gebärdensprachpoesie zu ermöglichen, indem er materielle Ressourcen wie Videoausschnitte als Unterrichtsmaterial anwendet oder Gebärdensprachpoesie-Experten bzw. Gebärdensprachkünstler in die Schule einlädt.
Was die materiellen Ressourcen angeht, gibt es bedauerlicherweise im deutschsprachigen Raum so gut wie keine Unterrichtsmaterialien für Gebärdensprachpoesie-Unterricht, die man käuflich erwerben könnte, d.h. Unterrichtsmaterialien muss der Lehrer entweder selbst oder in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen bzw. Schülern herstellen. Dabei ist Kreativität und Bereitschaft für das Herstellen solcher Materialien gefragt.

Zudem gibt es darüber hinaus Möglichkeiten, wie der Lehrer sich über Gebärdensprachpoesie aneignen kann, auch wenn es noch kein Buch gibt, das alle Fragen über Poesiewerke beantworten kann bzw. das eine Strukturierung und alle poetischen Formen und Mittel vorstellt. Das Internet ist zwar eine ideale Informationsquelle, ist aber auch von individuellen Websites abhängig (manche sind aktuell und informationsreich, andere schlecht bzw. veraltet). Websites wie Taubenschlag, Gehörlosenforen (z.B. GL-C@FE), Homepages von Gebärdensprachkünstlern wie „JUE“ oder „bengie“ oder sogar Internet-Videoportale wie
YouTube mit Gebärdensprachpoesie-Videoclips ermöglichen Lehrern den Zugang zur Gebärdensprachpoesie bzw. den Kontakt mit Gebärdensprachkünstlern. Dort können Lehrer auch erfahren, wann und wo die nächsten Gebärdensprachpoesie-Auftritte
stattfinden.
Seit einigen Jahren werden Gebärdensprachpoesie-Seminare und Workshops angeboten, was sowohl Lehrern als auch Schülern die Möglichkeit bietet, Gebärdensprachpoesie näher kennen zu lernen. Der Grund dafür, dass noch kein Buch
wie „Einführung in die Gebärdensprachpoesie“ existiert, ist wie bereits erwähnt, die unzureichende Erforschung der Gebärdensprachpoesie. In der Gebärdensprachkultur, aber auch in akademischen Bereichen gibt es noch keine eindeutige Definition für
Gebärdensprachpoesie, d.h. trotz der kulturellen Legitimation steckt Gebärdensprachpoesie noch in den Kinderschuhen.
Sollte der Lehrer mit Gebärdensprachpoesie-Unterrichtsvorbereitungen doch nicht besser warten bis eine allgemeingültige Definition, zumindest in der Hörgeschädigtenpädagogik, für den Begriff Gebärdensprachpoesie gefunden wird? Neben Gehörlosen und Akademikern können auch Lehrer eigene Definitionen wagen. Denn je mehr Menschen eigene Definitions-versuche in die Gebärdensprachkultur einbringen, desto mehr Puzzleteile kommen zusammen und desto klarer wird vermutlich auch das Bild bezüglich Gebärdensprachpoesie und ihrer Bedeutung. Auch wenn der Lehrer keine Definition für diese Poesiewerke parat hat, sollte er Gebärdensprachpoesie als Unterrichtsthema trotzdem anbieten solange die materiellen und immateriellen Ressourcen zur Verfügung stehen. Denn durch praktische Erfahrungen kann der Lehrer auch ein klareres Bild über Gebärdensprachpoesie und ihrer Bedeutung bekommen und somit einen klareren Definitionsversuch über diese Kunstwerke abliefern.

Die mangelnde Erforschung der Gebärdensprachpoesie bisher hängt damit zusammen, dass die Videotechnologie erst seit zwei bzw. drei Jahrzehnten bspw. für die Forschung genutzt wurde. Erst vor zwanzig Jahren begann SIGN MEDIA mit drei amerikanischen Gebärdensprachpoeten (Patrick Graybill, Debbie Rennie und Clayton Valli) eine Videosammlung ungeschnittener Poesiestücke. In Deutschland gibt es jedoch bis heute meist nur Videoausschnitte von Poesiestücken. Die Videotechnologie ist unverzichtbar, denn diese ermöglicht nicht nur das Archivieren von Poesiestücken, sondern auch ein Festhalten von erzählten Geschichten Gehörloser.

Das Geschichtenerzählen macht einen großen Teil der Gebärdensprachkultur aus und hat meines Erachtens einen großen Einfluss auf die Entstehung der Gebärdensprachpoesie. Vor langer Zeit wurden die meisten Geschichtenerzählungen von Gehörlosem zu Gehörlosem „mündlich“ überliefert und dadurch könnten einige Geschichtenerzählungen mithilfe anderer Ausdrucksform bewusst „verschönert“ worden sein. Durch diese verschiedenen Ausdrucksformen kann möglicherweise über viele Jahre hinweg die heutige Gebärdensprachkunst entstanden sein. Wenn bspw. eine Kamera die Geschichten-Erzählungen festgehalten hätten, dann hätte hierdurch erforschen werden können, wie sich Geschichtenerzählungen weiter entwickelt haben und ob dadurch die Gebärdensprachpoesie als neue Kunstform entstanden ist.
Möglicherweise hatten auch Gedichttexte einen Einfluss auf die Entstehung der Gebärdensprachpoesie. Auch wenn schon vor über 100 Jahren erste Gedichttexte von Gehörlosen (z.B. „On my Deafness“ von Howard L. Terry aus dem Jahr 1906) geschrieben wurden, ist dies noch lange keine Gebärdensprachpoesie, auch wenn die Gedichte möglicherweise bereits in Gebärden übersetzt wurden. Denn meines Erachtens können die poetischen Wirkungen von Gedichttexten durch die Übersetzung in Gebärden(sprache) geschwächt werden oder gar verloren gehen (z.B. in der gebärdeten Übersetzung reimen sich Endreimwörter nicht mehr).
Außerdem sind heute viele Menschen, vor allem innerhalb Gebärdensprachgemeinschaft, fest davon überzeugt, dass die Gebärdensprachpoesie keine Übersetzung lautsprachlicher Gedichte ist, sondern eine eigenständige Poesie, die von Gebärdensprachkünstlern selbst hervorgebracht wird. Es kann problematisch sein, wenn Gebärdensprachpoesie mit Gedichten wissenschaftlich verglichen wird.
Aufgrund der stark unterschiedlichen Sprachstrukturen, aber vor allem wegen des Phonozentrismus ist in Frage zu stellen, ob Gedichttexte dieselbe starke poetische Wirkung auch auf Gehörlose haben. Liest ein Hörender lautsprachliche Gedichte, dann „singt“ seine innere Stimme mit und dadurch wird die poetische Wirkung verstärkt, wenn auch unbewusst. Hierbei ist zu beachten, dass Gedichte auch ursprünglich gesungen wurden. Bei der Erforschung der Gebärdensprachpoesie ist es teilweise besser auf poetische Merkmale der Lautsprache zu verzichten, d.h. es wird versucht, die Einheit gebärdensprachlicher Poesiestücke zu sehen und daraus Formmittel abzuleiten. So können z.B. mehrere lautsprachliche Mittel wie Metrik, Takt und Vers bei der Übertragung auf Gebärdensprachpoesie zu „Rhythmus“ zusammengefasst werden.
Bei meiner Arbeit wurde die Gebärdensprachpoesie grundlegend in drei poetischen Formen (Rhythmus, Reim und Ausdruck) und vielen gebärdensprachlichen Mitteln (Fingeralphabet, Handform, Bewegung, Lokalisation und Nichtmanuelle Signale) skizziert. Mithilfe der bekannten Mittel können Rhythmen und/oder andere Ausdrucksformen wie Zoom-Technik oder Metapher verstärkt werden oder neue Reimgebärden hergestellt werden.

Für den weiteren Forschungs- und Bearbeitungsbedarf können die vorgestellten Formen und Mittel weiter zergliedert werden oder bspw. Forschungen mit Fokus auf den Reim angestellt werden. Es gibt noch zahlreich erörternde Fragen, z.B. welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat der Reim für Gehörlosen bzw. in der deutschen Gebärdensprachkultur?
Zudem könnten gebärdensprachliche Poesiestücke auf internationaler Ebene verglichen werden, um zu untersuchen, ob es unterschiedliche Poesiestile bspw. zwischen amerikanischen und europäischen Gebärdensprachpoeten gibt. Allgemein kann gesagt werden, dass weiterhin ein hoher Forschungs- und Bearbeitungsbedarf und viele offene Fragen in Bezug auf Gebärdensprachpoesie existieren.
Unabhängig von meiner Examensarbeit würde ich weitere materielle Ressourcen begrüßen, denn selbst für diese Arbeit hatte ich große Schwierigkeiten bei der Literaturrecherche. Es gibt so gut wie kein deutschsprachiges Buch zum Thema Gebärdensprachpoesie, höchstens Aufsätze, die überwiegend in der Zeitschrift „Das Zeichen“ zu finden sind und zum größtenteils keinen deutschen Ursprung haben, sondern selbst „nur“ Übersetzungen sind. Es gibt auch keinerlei DVD, CD-Rom oder VHS-Kassetten mit Sammlung deutscher Poesiestücke und bei der Fernsehsendung „Sehen statt Hören“ gab es bisher nur Filmausschnitte über Gebärdensprachpoesie und keine Gesamt-aufzeichnung der Werke.
Auch wenn ich selbst schon viele Poesie-Auftritte verschiedener Gebärdensprachkünstler genossen habe, konnte und durfte ich diese Poesiestücke nicht festhalten, um sie für meine Arbeit näher zu untersuchen. Das Filmen von Poesie-Auftritten ist verboten, vergleichbar mit dem Verbot von Filmaufnahmen im Kino aus wirtschaftlichen Gründen. Damit will ich verdeutlichen, dass deutsche Gebärdensprachkünstler dem Beispiel ihrer amerikanischen Kollegen folgen und ihre Poesiestücke mittels Videotechnologie archivieren sollten. Denn die „alten“ Poesiestücke sollten nicht in Vergessenheit geraten, sondern zur Gebärdensprach-Literatur gehören.
Das Internet-Videoportal „YouTube“ ermöglicht zwar das Hochladen von eigenen Poesiestück-Videoclips, garantiert aber nicht für gute Qualität. Für Videoanalysen (z.B. um verschiedene poetische Formen und Mittel zu untersuchen und zu sammeln) war ich gezwungen, nicht-deutsche ungeschnittene Gebärdensprachpoesie-Videos zu benutzen. Erst wenn die ersten deutschen Gebärdensprachpoesie-Videos erschienen sind, können sie ebenfalls für die Forschung bzw. Videoanalysen genutzt werden und mit nichtdeutschen (meistens amerikanischen) Poesiestücken verglichen werden (z.B. ob es bestimmte Mittel gibt, die nur in deutschen oder amerikanischen Poesiestücken vorkommen).



Meine Arbeit würde ich gerne weiter be- bzw. überarbeiten und sie vielleicht irgendwann veröffentlichen. Wegen der Referendariat-Stress
wird meine Arbeit über Gebärdensprachpoesie allgemein und im Unterricht erstmal auf Eis gelegt. Falls ihr trotzdem an meiner Examensarbeit
(d.h. in "alter" Fassung) interessiert seid, fragt mich einfach! :D



Rote Karte!
Rote Karte!



offline
Skull,
ASL ist rein pur US-amerikanisch,
wer von hier kann sie sehr gut verstehen?

Als Musik-Ersatz könnten
Deutsche Gehörlosen-Poesie-Gebärdenstunden
für die gl Schüler im Unterricht angeboten werden.

Im Fernsehen schaue ich die Opern mit Untertitel (OmU) an.
(schöne Opernsprache)
--




 ASL Poesie





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